Gesunde Kinderernährung - von der Wissenschaft zum Wissen für alle
Fachtagung vom 29.11.2011
Ernährungskonzepte und -kommunikation unter der Lupe | Replik auf das 2. Dortmunder Forum für Prävention und Ernährung
Inhaltsverzeichnis der ausführlichen Kongressbeschreibung
- Einführung
- Die Basis - Erkenntnisse der Wissenschaft
- Die Umsetzung - Kommunikation unter der Lupe
- Die Praxis - Ankommen in der Lebenswirklichkeit
- Fazit
Nach wie vor besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Wissen um gesunde Ernährung und dessen Umsetzung im Alltag. Über den dringenden Handlungsbedarf, Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen vorzubeugen besteht bei allen gesellschaftlichen Kräften Einigkeit. Denn langfristig geht es neben den persönlichen gesundheitlichen Konsequenzen vor allem darum, die daraus resultierenden hohen volkswirtschaftlichen Kosten zu senken. Eine frühe und nachhaltige Prävention ist demnach von großer Bedeutung. Daher initiierte das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern - dem Klinikum Dortmund gGmbH, der TU (Technischen Universität) Dortmund und der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund - bereits zum zweiten Mal das Dortmunder Forum für Prävention und Ernährung. Etwa 200 Wissenschaftler, Ernährungsfachkräfte, Lehrer, Erzieher und Journalisten ebenso wie Repräsentanten von Unternehmen nehmen tauschten sich am 29. November 2011 zu neuen Kommunikationsstrategien aus, um langfristig eine Verbesserung der Ernährung von Kindern und Jugendlichen zu erreichen.
Da die klassischen Kommunikationsmittel wie Broschüren, Beratung und Vorträge nur selten die Betroffenen erreichen, sind neue Kommunikationsstrategien dringend notwendig. Kernbotschaften müssen auch Kinder aus bildungsfernen Schichten erreichen, da diese besonders häufig von Übergewicht und Adipositas betroffen sind. Die Tatsache, dass heute bereits 80 % aller Kinder innerhalb von nur 3 Tagen zuhause mindestens ein Fertigprodukt konsumieren, erfordert schnelle und nachhaltige Veränderungen in der Ernährungskommunikation. Doch wie viel Information ist gut und angebracht? Während es noch vor einigen Jahren undenkbar war, das Thema Ernährung jemals auf den Titelseiten seriöser Zeitungen zu sehen, sind Ernährungsthemen inzwischen in der Spitzengruppe der Top-Themen angekommen. Allerdings führen die hohe Komplexizität des Themas Ernährung und die enorme Entscheidungsvielfalt nicht selten zu einer großen Verunsicherung und Überforderung. Daher eignen sich insbesondere Kindertagesstätten und Schulen, um langfristige Verbesserungen zu erzielen. Denn hier können - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft -alle Kinder erreicht werden. Bei der Umsetzung ist das Einbinden der kindlichen Emotionen ganz wesentlich, denn Essen ist besonders für Kinder weit mehr als pure Sättigung. Für einen langfristigen Erfolg müssen Kinder in ihrer Lebenswirklichkeit abgeholt werden. Ein wichtiger Ansprechpartner für die Eltern sind die Kinder- und Jugendärzte, die im Rahmen ihrer Vorsorgeuntersuchungen einen frühen und intensiven Kontakt zu Familien haben und individuell zur Kinderernährung beraten können.
Zudem sind gut vermittelbare Kernbotschaften wie „Stillen schützt vor Übergewicht" nötig. Denn nach wie vor ist Stillen die beste und billigste Präventionsmöglichkeit vor Übergewicht und Adipositas. Aus wissenschaftlicher Sicht kommt dem einzelnen Lebensmittel in der Prävention ein stärkerer Stellenwert zu als einzelnen Nährstoffen. Damit steht beim Thema Ernährung nicht mehr nur die Summe der Lebensmittelinhaltsstoffe im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern der essende Mensch in seinem Lebens- und Ernährungsumfeld. Gebraucht werden lebensmittel- und mahlzeitenbezogene Empfehlungen für die Kinderernährung. Wie gut diese funktionieren können, zeigt ein Blick nach Dortmund: In der Dortmunder Gemeinschaftsverpflegung ist das optimiX-Konzept (optimierte Mischkost) des FKE gut angekommen. Dort werden seit 2011 bereits in 25 Schulen Mittagessen nach diesem Konzept eingeführt, mit einer didaktischen Begleitforschung.
